Tagesordnungspunkt

TOP Ö 3: Wiederaufbauplanung in Borken nach dem 2. Weltkrieg,
- Vortrag von Frau Dr.-Ing. Heine-Hippler, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen

BezeichnungInhalt
Sitzung:23.01.2013   UPA/01/2013 
Beschluss:Kenntnis genommen
DokumenttypBezeichnungAktionen

Frau Dr. Heine-Hippler vom LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen geht im Rahmen einer Präsentation auf die Wiederaufbauplanung in Borken nach dem 2. Weltkrieg ein. Die Präsentation ist der Niederschrift als Anlage beigefügt.

Die Denkmalpflege beschäftige sich aktuell mit der Frage, ob ein Stadtgrundriss ein Denkmal sein könne. Zu diesem Thema habe sie am Beispiel des Wiederaufbaus in Borken einen Fachvortrag in Hamburg gehalten, der aufgezeigt habe, dass Borken ein Musterbeispiel des Wiederaufbaus darstelle.

Insbesondere im Bereich des Marktplatzes sei deutlich die Umsetzung des im Wesentlichen vom damaligen Büro Wolters und Berlitz, Coesfeld, erstellten Wiederaufbauplanes ablesbar. Dieser Plan habe seinerzeit bereits das Thema der Kirch- bzw. Marktplatzgestaltung sowie die Befriedigung der Verkehrsbedürfnisse aufgegriffen.

Diese Inhalte spiegeln sich deutlich im Grundriss und in den zugehörigen Raumkanten und Gebäudehöhen, insbesondere im Bereich des Marktplatzes, wieder. Weiterer Teil der Unverwechselbarkeit der Wiederaufbauplanung sei zudem das als zweites Erschließungssystem umgesetzte Netz von innerstädtischen Grünwegen.

Die aktuelle denkmalpflegerische Betrachtung nehme nicht mehr nur einzelne Objekte in den Blick, sondern stelle sich ergänzend die Frage der Schutzwürdigkeit weiter Bereiche. Solche Bereiche könnten im Zuge einer Denkmalbereichssatzung gesichert werden, deren Ausweisung für die betroffenen Eigentümer im Zuge anstehender Maßnahmen Steuererleichterungen bedeuten könne.


Die Entwicklungen sowie die damit zusammenhängende Bedeutung der aktuellen denkmalpflegerischen Betrachtungsweise erläutert Frau Dr. Heine-Hippler anhand des kulturlandschaftlichen Fachbeitrages, den der Landschaftsverband Westfalen Lippe im Zuge der Aufstellung des aktuellen Regionalplanentwurfes erstellt habe. Innerhalb der hierzu erstellten Themenkarte (s. Anlage) sei Borken dargestellt als eine Stadt mit einer einzigartigen Wiederaufbauqualität, die sich bis in die heutige Zeit bewahrt habe und nicht auf einzelne wenige Straßenzüge beschränkt sei.




Stadtverordneter Bunse nimmt Bezug auf den Vortrag und bittet Frau Dr. Heine-Hippler um ihre Meinung zu der Frage, ob der Marktplatz im Verhältnis zur Höhe der umgebenden Häuser nicht zu groß sei und ob durch die Ausweisung eines Denkmalbereichs künftige Entwicklungen in solchen Arealen ausgeschlossen seien.


Frau Dr. Heine-Hippler erklärt, dass in solch eine Bewertung auch immer das jeweilige persönliche Empfinden einfließe und daher eine pauschale Antwort nicht möglich sei. Hinsichtlich künftiger Entwicklungen sei in einem möglichen Denkmalbereich zu beachten, dass kein Bruch entstehe, der die durchgängige Gestaltung bzw. die vorhandene Raumkante beeinträchtige. Innerhalb dieser Gestaltungsmerkmale sei grundsätzlich auch eine Entwicklung für die Zukunft möglich.


Stadtverordneter Kindermann verweist auf den am Ende der Präsentation vorgestellten Kartenauszug und bittet um Informationen zu den dort grün schraffierten Bereichen.


Frau Dr. Heine-Hippler erläutert, das diese Signatur bedeutsame Kulturlandschaftsbereiche mit einer über rd. 150 Jahre persistenten Nutzungsstruktur kennzeichne.


Bürgermeister Lührmann bittet um Auskunft, aus welchem Grund insbesondere der Wiederaufbau in Borken so einzigartig sei.


Frau Dr. Heine-Hippler trägt vor, dass es nur eine Handvoll Städte gebe, die die nach Kriegsende erarbeitete Wiederaufbauplanung nicht nur flächendeckend umgesetzt, sondern auch bis in die heutige Zeit erkennbar bewahrt hätten. In vielen Fällen sei lediglich eine Umsetzung der Wiederaufbauplanung an einzelnen Straßenzügen bzw. sogar nur Teilen davon erfolgt.

Insofern sei die Situation Borkens einzigartig.


Stadtverordneter Richter bittet darum, die weiteren Schritte zu erläutern.


Frau Dr. Heine-Hippler informiert, dass die Ausweisung eines entsprechenden Denkmalbereichs im Zuge des kommunalen Satzungsrechts erfolgen müsse. In diesem Zusammenhang sei sie gern bereit, die Stadt Borken bei der Abfassung der schutzwürdigen Parameter, z.B. Außenfassade und Dacheindeckung, zu beraten. Die für die steuerliche Abzugsfähigkeit erforderliche Bescheinigung nach § 40 DschG NRW könne nur dann ausgestellt werden, wenn eine fachlich begründete Gestaltungssatzung vorliege. Hierzu müsse im Zuge des behördlichen Erlaubnisverfahrens ein entsprechendes Gutachten für den Satzungsbeschluss erstellt werden.


Stadtverordneter Richter hinterfragt, ob in einem solchen Zusammenhang auch die Arbeit von Immobilienstandortgemeinschaften gefördert werde.


Frau Dr. Heine-Hippler antwortet, dass zwischenzeitlich keine Gießkannenförderung mehr erfolge, sondern die Förderung dort ansetze, wo einzelne Themen gezielt aufgearbeitet werden.


Ausschussvorsitzender Rottbeck dankt Frau Dr. Heine-Hippler für ihre Ausführungen, die für die zukünftige Arbeit des Umwelt- und Planungsausschusses wertvolle Anregungen geliefert hätten.